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Ulcus cruris – das „offene Bein“

Wie die umgangssprachliche Bezeichnung bereits verrät handelt es sich bei der Wunde um eine offene, meistens exsudierende Wunde am Unterschenkel der Betroffenen. Der Verlauf zeigt über einen langen Zeitraum keine Verbesserung und endet sehr häufig in einer chronischen Wunde. Zurückzuführen ist die Art der Wunde häufig auf eine Grunderkrankung, wie zum Beispiel der chronisch-venösen Insuffizienz oder peripheren arteriellen Verschlusskrankheit. Die Grunderkrankung Diabetes erschwert dabei die Therapie- und Heilungschancen.
Sehr häufig ist dabei der Auslöser eine kleine Wunde, die aufgrund von Versorgungsproblemen nicht heilt und den Zustand des umliegenden Gewebes weiter verschlechtert. Entzündungen und Belagerungen durch Bakterien sind dabei in der Regel weitere Kennzeichen. Es gibt viele weitere Ursachen.
Mit der TIVITA® Tissue ist es erstmals bildgebend möglich die Sauerstoffversorgung des umliegenden und des betroffenen Gewebes zu überwachen.

Ulcus cruris venosum
Bei dem Ulcus cruris venosum handelt es sich um einen Substanzdefekt mit pathologisch verändertem Gewebe am Unterschenkel infolge einer Chronisch Venösen Insuffizienz (CVI).
Die Muskel-Venen-Pumpe in Kombination mit intakten Venenklappen gewährleisten einen sicheren Blutfluss zurück zum Herzen und verhindern einen Rückfluss bzw. eine Stauung des Blutes in den Venen. CVI-Patienten leiden unter nicht-intakten Venenklappen, durch Bindegewebsschwächen wird die Funktion der Venenklappen gestört, weshalb es zu einen gestörten Blutfluss kommen kann und Stauungen in den Extremitäten entstehen. Dauerhafte Probleme mit dem Abtransport des Blutes führen zu Wunden, deren Verlauf meistens chronisch ist. Zusätzlich leiden betroffene Patienten zumeist an Wassereinlagerungen in den Beinen (Ödem), was den Abtransport des Blutes zusätzlich erschwert.

Regelmäßige Bewegung aktiviert die Muskel-Venen-Pumpe, hilft aber im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung nur bedingt. Erst durch eine Kompressionstherapie lässt sich das eingelagerte Wasser verdrängen und der Blutfluss verbessern, was auch die Heilung von bereits entstandenen Wunden durch die Erhöhung der Sauerstoffsättigung positiv beeinflusst. Die Einschätzung der richtigen Kompression ist dabei aber sehr subjektiv. Der Abtransport des Gewebewassers im Bein wird verbessert, allerdings zeigen viele Wunden weiterhin einen erhöhten Wassergehalt zum umliegenden Gewebe, was die Heilung blockieren kann.

Eine Abheilung der Wunde kann erst sicher gewährleistet werden, wenn der Wassergehalt in der betroffenen Extremität und der Wunde selbst reduziert wird. Dazu ist eine objektive, mehrparametrige Einschätzung der Wunde von großem Vorteil. Weiterhin kann entsprechend des Verlaufs der Wunde die Therapie an die Bedürfnisse individuell angepasst und optimiert werden. Zielführend zur Reduktion des Wassergehalts in der Wunde können flüssigkeitsabsorbierende Auflagen in Kombination mit der richtigen Kompression sein.
Bei der Kompressionstherapie kann es passieren, dass es zu einer zu starken Abschnürung in bestimmten Gewebebereichen kommt, die einen Gefahrenherd für weitere Wunden darstellt. Dieses kann ebenfalls durch die neuartige Diagnostik frühzeitig erkannt und dementsprechend verhindert werden.
Im Folgenden ist ein aussagekräftiges Fallbeispiel dargestellt.

Der Patient hat bei Behandlungsbeginn zwei großflächige und tiefe Wunden am Bein. Mit den orangen Pfeilen links sind Bereiche in der Wunde gekennzeichnet, die in den Parameterbildern StO2 und NIR Perfusion Bereiche unter 30 (%) (Im Bild Blau) kennzeichnen. Diese zeigen eine Minderperfusion an und sind als kritisch für die Wundheilung zu betrachten. Der Hohe THI (Gewebehämoglobingehalt, grüner Pfeil) deutet hier darauf hin, dass die Wunde offen ist und Muskelgewebe offen liegt. Der TWI (blauer Pfeil) zeigt, dass in dem ganzen Unterschenkel ein sehr hoher Wassergehalt vorliegt.
Im Behandlungsverlauf erkennt man, dass die Perfusion erhöht (orange Pfeile rechts) und der Wassergehalt im Unterschenkel (blauer Pfeil Mitte) reduziert werden konnte. An dem weiterhin hohen THI sieht man allerdings, das sich die Wunde nur langsam schließt. Aufgrund des weiterhin hohen Wassergehaltes innerhalb der Wunde wurde die Behandlung modifiziert und eine flüssigkeitsabsorbierende Wundauflage hinzugezogen. An dem THI zum Abschluss der Dokumentation (grüner Pfeil rechts), erkennt man, das die Ephithelisierung einsetzt und sich die Wunde schließt. Der rote Pfeil im NIR Perfusionsbild deutet auf einen Bereich am Unterschenkel, wo im Bereich des gesunden Gewebes eine deutliche Minderperfusoin vorliegt. Hier ist aufzupassen, dass diese Perfusionswerte mittelfristig aus dem kritischen Bereich heraus gebracht werden.

Verlaufsdarstellung einer venösen Wunde

Insgesamt steigt der Sauerstoffgehalt (StO2) im Verlauf der Wundbehandlung kontinuierlich an, was für eine Verbesserung des Wundzustands spricht. Die Kompression bewirkt eine Verringerung des Wassergehalts im Bein, in der Wunde allerdings nicht. Nach dem 11.05. wird dann eine Auflage zur Therapie hinzugefügt, welche der Wunde das Wasser entzieht, was im weiteren Verlauf nachzuvollziehen ist. Parallel lässt sich am THI erkennen, dass sich der rote Bereich verkleinert, was auf einen Wundverschluss hindeutet. Aus den Daten lässt sich also schlussfolgernd, dass erst die kombinierte Therapie zum Wundverschluss führt.