Viszeral­chirurgie

Wichtigste klinische Anwendungsgebiete in der Viszeralchirurgie sind aktuell die intraoperative Beurteilung von Anastomosen, des Resektionsrandes im Rahmen kolorektaler Operationen sowie der Schlauchmagendurchblutung bei Ösophagusresektionen. Anhand von Wasser-, Hämoglobin- und Sauerstoffgehalt im Gewebe können intraoperativ Rückschlüsse auf dessen Vaskularisierung und Integrität geschlossen werden. Auch bei der Mesenterialischämie kann die HSI sinnvoll zum Einsatz kommen, um das Resektionsausmaß grenzwertig perfundierten Darms festzulegen. Dabei ist die HSI-Technik ein objektives intraoperatives Entscheidungs-Tool bei der Identifikation der optimalen Resektionslinie bzw. Anastomosenregion mit dem Ziel, das OP-Ergebnis zu optimieren, ideale Bedingungen für eine ungestörte Heilung zu schaffen und letztlich die Patientensicherheit zu erhöhen.

An verschiedenen Kliniken konnte die Machbarkeit der intraoperativen Beurteilung nahezu des gesamten Spektrums intestinaler Anastomosen in der Viszeralchirurgie (Ösophagus, Magen, Pankreas, Dünndarm, Kolon und Rektum) darlegt werden.

Identifikation der optimalen Anastomosenregion mittels HSI. Die Pinzette zeigt die Position der Grenze zur Resektionslinie, die der Chirurg visuell geschätzt hat (RGB-Image, oben links). Die Bilder des TWI (oben rechts), der StO2 – (unten links) und des NIR Perfusion-Index (unten rechts) offenbaren jedoch – im Vergleich zur Einschätzung des Chirurgen – deutlich unterschiedliche Werte. Die Grenze liegt weiter oralwärts und die Resektionsstrategie wurde konsekutiv geändert. (Quelle: Gockel I et al. Die intraoperative Hyperspektral-Bildgebung in der Viszeralchirurgie. Ärzteblatt Sachsen 2018;7:291-294)

Identifikation von minderperfundierten Darmabschnitten (blau) bei einem Patienten mit akuter mesenterialer Ischämie. (A) Farbbild, (B) StO2, (C) NIR-Perfusionsindex und die entsprechenden Absorptionsspektren der farbig markierten Darmbereiche. (Bildquelle: Mehdorn M et al. Hyperspectral Imaging (HSI) in Acute Mesenteric Ischemia to Detect Intestinal Perfusion Deficits. J Surg Res. 2020 Oct;254:7-15)

Zudem wird die HSI-Technologie zunehmend zur Gewebeklassifikation und Tumorerkennung im experimentellen Setting sowie auch bei chirurgischen Eingriffen in klinischen Forschungsarbeiten appliziert.